Studium mit Kind

Und dann sag mal einer, junge Mütter bekommen nichts auf die Reihe. Muss ich hier mal so am Rande erwähnen. Ich habe nämlich Ben mit 20 Jahren im Abi bekommen, in der 13 Klasse. Laut Schulgesetz NRW hat man , in den Hauptfächern Anrecht auf Unterricht zu Hause. Habe ich leider auch nicht bekommen. Obwohl ich (!!) die Direktorin drauf ansprach. Unterstützung von Seiten der Schule gab es leider keine.

Mit dem Studium begonnen habe ich  2011, als mein Sohn etwas älter als 1 Jahr alt war. Für mich war in dieser Zeit hilfreich, das es keine Anwesenheitspflicht gab. So konnte ich auch die Powerpoint-Präsentationen und Texte zu Hause lesen. Eine große Unterstützung war auch die Oma väterlicherseits die Ben gerne betreute (und auch immer noch tut). Manchmal habe ich ihn auch mit in die Uni genommen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine Vorlesung in der es um die Sozialisation ging. Mein Sohn wurde als lebendes Anschauungsobjekt hinzugezogen. Der Dozent stellte zum Beispiel die Frage: Was sagt das Tragen von Markenschuhen, in diesem Fall von Nike, über die Sozialisation eines Kindes aus? Nett fand ich auch, dass der Dozent fragte was los sei, als mein Sohn weinte. Er hatte sich den Kopf gestoßen. Aber das ganze war mir auch ein bisschen unangenehm, da wir immerhin ca. 500 Leute waren und mein Sohn und ich in den Mittelpunkt gerückt wurden.

Die Hausarbeiten habe ich abends geschrieben, wenn Ben im Bett war oder am Wochenende, wenn sein Vater ihn beschäftigte. Studieren war für mich nie chillen und nur die Kurse belegen auf die man Bock hat. Deshalb kam ein Dauerstudium für mich auch nicht in Frage. Es gab eine Familie die ernährt werden wollte. Irgendwie habe ich es immer geschafft alles durchzuziehen und die Hausarbeiten rechtzeitig abzugeben. Nur einmal musste ich eine mündliche Prüfung krankheitsbedingt verschieben.

Mein Sohn kam mit 2 1/2 in die Kita, meist begannen meine Seminare um 10 und gingen bis 14 oder 16 Uhr. Blockseminare besuchte ich, zwar war dann ein ganzes Wochenende futsch oder auch 2, aber dafür hatte ich mehr freie Zeit unter der Woche. Zu dieser Zeit begann ich auch Ehrenamtlich zu arbeiten und bekam dafür eine Aufwandsentschädigung. Ein Jahr später ging die Arbeit richtig los, als Honorarkraft an einer Realschule. Im Oktober 2013 bekam ich meinen Bachelorabschluss und schrieb mich für den Master ein.

Das bedeutet, ich habe meinen Bachelor in 5 Semestern geschafft. In einem der Semester hatte 15 Seminare. Ich wollte fertig werden, um endlich eigenes Geld zu verdienen. Klar hätte ich auch gerne, wie manche anderen mir mehr Zeit gelassen, Auslandsreisen gemacht. War aber leider nicht drin. Eigentlich war ein Auslandssemester in der Türkei geplant, die Zusage hatte ich schon, die Uni hätte auch eine Kita gehabt. Leider kam etwas dazwischen.

3 Jahre später nahm ich meinen 1. richtigen Job an. Eine halbe Stelle, damit ich weiter studieren konnte. Zum Glück für mich, kann man als Mutter beim Bafög über ein Jahr verteilt, mehr dazuverdienen als 450€ pro Monat (so um die 10.000€ insgesamt). Dann lief mein Arbeitsvertrag aus und ich begann einen Vollzeitjob. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits alle notwendigen Seminare absolviert. Im SoSe 2015 hätte ich nur noch den Projektbericht und die Masterarbeit schreiben müssen. Ersteres schaffte ich. Doch für letzteres fehlte mir die Zeit. Da ich im Vollzeitjob meist mehr als 39 Stunden arbeiten musste, wurde mir das zu viel und ich kündigte. Ben wurde in dieser Zeit immer von seinem Vater zur Kita gebracht und abgeholt. Ich kam meistens sehr müde von der Arbeit heim und mir fehlte es, die Spielverabredungen zu treffen und Zeit mit Ben zu verbringen.  lso zog ich die Reißleine.

Seit 2016 bin ich in meinem jetzigen Teilzeitjob (30 Stunden) und sehr zufrieden. Denn er lässt sich wunderbar mit den Schulzeiten arrangieren und Ben besucht gerne die OGS. Unsere OGS hat sogar Mo-Fr von 7-17 Uhr offen und ich könnte Vollzeit arbeiten. Das werde ich in ein paar Jahren auch wieder tun, aber erst einmal noch nicht. Jetzt genieße ich die Zeit und die Möglichkeit Ben zu bringen und abzuholen.

Endlich hatte ich auch die Zeit meine Masterarbeit zu schreiben und abzugeben. Wurde ja auch endlich Zeit, nach 7 Semestern. Das habe ich aber tatsächlich auch nur gemacht, weil es das einzige war das fehlte und deshalb ein Abbrechen nicht wirklich in Frage kam.

Neben dem Bafög fand ich auch das Wohngeld klasse. Am Anfang wusste ich auch gar nicht, dass es uns zusteht. da man als Student davon ausgeschlossen ist. Dies gilt aber nicht für die Kinder. Diese haben sehr wohl einen Anspruch darauf.

Zudem ist es hier in Westfalen so, dass die Kitabeiträge und Schulbeiträge Einkommensabhängig sind. Wenn ich von meiner Schwester höre, wie viel man in Freiburg bezahlen muss, wird mir schwindelig. Da wäre mir es nicht möglich gewesen zu studieren oder aber ich hätte noch mehr arbeiten müssen.

Geschafft hätte ich es auch ohne familiäre Unterstützung nicht! Außer seinem Vater haben insbesondere Bens Tanten väterlicherseits und seine Großeltern väterlicherseits mir Ben oft abgenommen, ihn von der Kita abgeholt , hingebracht oder ihn am Wochenende betreut. Er liebt es dorthin zu gehen.Vielen Dank auch an alle andern die mich auf diesem Weg begleitet und geholfen haben!!

 

Edit: Jede Schwangerschaft und jedes Leben ist einzigartig. Hilfestellungen für Fragen zur Schwangerschaft im Studium gibt es bei der hauptstadtmutti.

Advertisements

2 Kommentare zu „Studium mit Kind

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s